„Es muss nicht immer der Dresdner sein“

Qualitätsprüfer Michael Isensee ist von den regionalen Stollen begeistert

Zwei Drittel wurden mit „Sehr Gut“ bewertet

 

Von Wenke Büssow-Krämer

Stralsund. Auch wenn die Kreativität der Stollenbäcker längst keine Grenzen mehr kennt, macht zumindest der Feinschmecker beim Kauf keine Experimente. Bärbel Dietrich weiß, wem sie ihr Vertrauen schenkt. „Gerade wenn man wie ich auf die Inhaltsstoffe achten muss, kauft man lieber beim Bäcker, als im Supermarkt“, meint die Stralsunderin, die gestern die Gelegenheit nutzte, um bei der Stollenprüfung in der Volksbank eine neue Lieblingssorte zu entdecken.

So wie sie nutzten viele Besucher die Chance, sich von der Vielfalt der Bäckereien zu überzeugen. Christa Henk kam erstmals zum Naschen. „Toll ist hier auch, dass man direkt mit den Bäckern ins Gespräch kommen kann“, so die Stralsunderin.

Das nutzen natürlich auch die Bäcker, wie Ralf Schuba. „Wir wissen, dass der Mohnstollen
zumindest bei uns am gefragtesten ist“, sagt der Bäcker und verrät auch gleich, worauf bei der Verarbeitung zu achten ist. „Bei uns wird der Mohn durch glatte Edelstahlwalzen gepresst. Beim Mahlen in einer Kaffeemühle würde er zu warm werden und an Qualität einbüßen“, so Schuba.

Zwölf Bäckereien der Bäcker und Konditoren-Innung Vorpommern-Rügen gaben dafür ihre
Backwerke in die Hände von Michael Isensee. Der 54-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren als Prüfer für das Institut zur Qualitätssicherung von Backwaren in Deutschland unterwegs und nimmt Brote, Brötchen und eben auch Stollen gründlich unter die Lupe. Ein Prädikat „Sehr Gut“ erhält dann auch nur das Produkt, das hundertprozentig die Erwartungen nach dem Test von Form und Aussehen,Oberflächen- und Krusteneigenschaft, Lockerung und Krumenbild, Struktur und Elastizität, sowie Geruch und Geschmack erfüllt.

Bereits für kleinste Abweichungen müssen dann Punkte abgezogen werden. Aber auch die Backwerke, die 90 bis 99 Prozent erfüllen, können sich mit einem Prädikat „Gut“ schmücken. „Das kann schon bei zu viel Puderzucker auf dem Stollen passieren, oder wenn die Rosinen nicht gleichmäßig verteilt sind“, erklärt Isensee. Das tut jedoch dem Geschmack und Wert des Lieblingsproduktes keinen Abbruch. „Die würde auch selbst der Prüfer gerne weiter kaufen“, stellt Isensee klar.

Bei der Bewertung hätte Erika Röpke gerne geholfen. „Wir haben zwölf Stollen verkostet und hätten gerne Punkte vergeben. Für mich gehören Mandeln, Zitronat, Orangeat und Rosinen hinein“, sagt die 76-Jährige, die für die Verkostung aus Barth nach Stralsund kam.

Helmtraud Münchow wagte sich an kulinarische Neuentdeckungen heran. „Cranberry kan te ich vorher nicht, aber das gefällt mir gut. Es muss nicht immer der Dresdner sein“, so die Stralsunderin.

Die Kunden unserer Region können jedenfalls ohne Bedenken beim weihnachtlichen Gebäck zugreifen. Von den 30 getesteten Stollen bekamen gleich 20 Produkte ein „Sehr Gut“. Zehn Mal konnte ein „Gut“ vergeben werden.

 

Ostsee-Zeitung | Ausgabe Stralsund

30.11.2016

 

 

Prüfer Michael Isensee von der IQ Back (l.) und Innungsobermeister Maik Bartelt nahmen die Stollen unter die Lupe. FOTO: WENKE BÜSSOW–KRÄMER